RÄUMLICHE IDENTITÄT

Räumliche Identität

Siebente Querstraße in Lübeck

Wenn von „raumbezogener Identität“ die Rede ist, wird dieser komplexe und vielschichtige Begriff umgangssprachlich am klarsten als „Heimatgefühl“ oder einfach „Heimat“ verständlich.
Der Maßstab reicht in diesem Kontext vom Nationalgefühl bis zur ästhetischen Atmosphäre eines Mikro-Kiezes.
Kriegszerstörungen und Wiederaufbau haben dementsprechend nicht nur zu einer Fragmentierung deutscher Stadtlandschaften geführt, sondern auch zu einem Verlust von Urbanität und lokaler räumlicher Identität.

Unser Ziel

ist die Erfassung, Klassifizierung und interaktive Visualisierung des Vorkriegs-Gebäudebestands deutschsprachiger Städte auf der Grundlage einer Geodatenbank. Vorrangiges Ziel ist hierbei die Bewusstseinsbildung für räumliche Identität.


Das Projekt Räumliche Identität visualisiert,

• welche urbanen Bereiche die Zäsur der Fragmentierung überstanden haben
• wo genau sich die historischen Bauensembles oder Stadtlandschaften befinden, in denen die Zeit scheinbar stehenblieb
• welche steinernen Zeugen nach wie vor ihre Funktion als unverwechselbare Objekte räumlicher Identität und Urbanität erfüllen
• wo das legendäre „Haus in der Torstraße“ (Heinz-Joachim Draeger) noch zu finden ist

Interaktive Beispiele

Altstadt-Ensembles in Deutschland – Die Seelen der Städte

Mit Pinsel und LinseBerliner Ansichten durch die Jahrhunderte

Das steinerne Berlin – Spuren der Zeiten in der Hauptstadt

Vergessene Wege in Hamburg – Von der Binnenalster zum Binnenhafen

Kurzvideos

Beschreibung

Panorama Ensemble Brüderstraße, Hamburg

Was:

„Räumliche Identität“ ist ein Projekt zur Erfassung, Klassifizierung und interaktiver Visualisierung des Vorkriegs-Gebäudebestands deutschsprachiger Städte auf der Grundlage einer Geo-Datenbank. Vorrangiges Ziel ist hierbei die Bewusstseinsbildung für räumliche Identität.

Warum:

Die Zäsur des Zweiten Weltkrieges und die darauf folgende Phase des Wiederaufbaus führte sowohl zu einer irreversiblen Fragmentierung eines Großteils der Stadtkörper in Deutschland und Österreich, als auch zu einem eklatanten Verlust raumbezogener Identität und Urbanität.
Diesbezüglich besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen Vierteln bzw. Ensembles mit historischer Stadtmorphologie (im Sinne von Kleinteiligkeit und Nutzungsmischung) und deren Wahrnehmung seitens seiner Bewohner und Besucher als atmosphärisch, stimmungsvoll und lebendig.

Alt-Sassnitz, das „Capri des Nordens“

Wie:

Die Realisierung des Projektes findet in sechs Schritten statt:

Schritt 1

Analyse stadtmorphologischer Strukturen

Beispiel Dresden vor der Zerstörung und nach Wiederaufbau (ca. 1987) (Quelle)

Schritt 2

Erfassung des historischen Gebäudebestandes

Beispiel Erfassung und Klassifizierung (Ensemble Brüderstraße in Hamburg)

Schritt 3

Einbindung historischer Kartenwerke

Beispiel Lübeck mit Überlagerung einer Karte von 1750 (Seutter)

Schritt 4

Darstellung der Stadtentwicklungsphasen

Beispiel Hamburg: Stadtentwicklungsphasen von 800 – 1628

Schritt 5

Rekonstruktion historischer Wege

Beispiel Hamburg: Rekonstruktion des historischen Alsterverlaufes

Schritt 6

Erstellung interaktiver Karten

Beispiel Hamburg: interaktive Karten mit verschiedenen Layern

Stadtgottesacker in Halle/Saale

Kollektives Gedächtnis

Erinnerungen an frühere Perioden und der Respekt vor den Leistungen früherer Generationen zur Identitätsfindung sind heute wichtiger denn je. Eine kollektive Erinnerung an ein lokales, regionales oder nationales Erbe von den ältesten steinernen Zeugen (z.B. Porta Nigra) bis in die jüngste Gegenwart trägt wesentlich bei zur räumlichen Identität und Zusammengehörigkeit.

Als ein Projekt von grenzüberschreitender Bedeutung ist es sinnvoll, die Erfolge der lokalen Hamburg-Studie auszuweiten und der Allgemeinheit als Bildungsgut in Form interaktiver Karten zugänglich zu machen.

Tiefer Graben und Hohe Brücke entlang der ehemaligen Mauer des Legionslagers Vindobona in Wien

Alle Menschen wären überall sofort in der Lage, historische Ensembles, Viertel oder Einzelbauwerke mit besonderer Atmosphäre und dazu gehöriger Geschichte entdecken und erleben zu können.

• Wie viele Münchner beispielsweise waren schon im Kölner Martinsviertel rund um die Salzgasse, wo sich trotz der „Operation Millennium“ mit über 1000 Bombern bis heute ein fast durchgängiges mittelalterliches Stadtbild bewahrt hat.

Oder umgekehrt:

• Wie viele Kölner kennen die ehemalige Weinstube aus dem Jahre 1937! im Haus der Kunst in München, seinerzeit schon eine elegante, mondäne Bar ohne jeglichen kompromittierenden Schmuck, die 2010 unter Bezugnahme auf die historischen Wandmalereien von 1937 in „Die Goldene Bar“ umgetauft wurde?

Um beim Beispiel Köln zu bleiben:

• Der Kölner Dom ist weltweit bekannt, aber bereits die noch ältere Hahnentorburg als wuchtiger steinerner Zeuge der ehemals wichtigsten und größten Stadt Deutschlands ist deutlich weniger über die Stadtgrenzen Kölns hinaus bekannt.

• Doch wer kennt das noch wesentlich ältere Römergrab in Köln-Weiden als eine der bedeutendsten Grabkammern der Römerzeit nördlich der Alpen aus dem 2. Jahrhundert?

Unser Anspruch ist es, auch für die unzähligen weniger bekannten steinernen Zeugen der Vergangenheit im deutschsprachigen Raum ein Geschichtsbewusstsein zu erzeugen.